Banjarmasin, South Kalimantan
Von Singapore ging es vor gut zwei Wochen per Flugi nach Yogyakarta, wo wir nur kurz uebernachtet haben und von wo wir am naechsten Tag gleich weiter nach Banjarmasin geflogen sind. Auch Yogya auf Java waere eine coole Stadt gewesen, und Java selber haette auch viel zu bieten, aber aus Zeitgruenden muessen wir in Indonesien einfach Prioritaeten setzen. Dieses Land mit den vielen Inseln ist riiiiesig und das Reisen nicht immer ganz einfach. Auch wurde uns klar, dass wenn wir hier ein bisschen herumkommen wollen, wir oefters fliegen muessen. Wir sind also aufs Ende nicht faul geworden, nein, aber es bleibt uns oftmals nichts anderes uebrig. Und da Fliegen in Indonesien billig ist, lohnt es sich schlussendlich auch.
In Banjarmasin angekommen, schlug uns zuerst einmal die Hitze und die extreme Luftfeuchtigkeit Kalimantans entgegen. Aber verglichen mit dem Urwald war das hier noch gar nichts… Wir liessen uns in Banjarmasin im Borneo Homestay nieder, einer heruntergekommenen Herberge, die ihre Heydays echt gesehen hat… Aber der Besitzer Jo ist extrem nett, und wir hatten ziemlich Fun mit ihm! Da Banjarmasin fuer uns nur eine weitere Stadt ist und zudem auch noch die fast dreckigste Indonesiens ( wofuer sie sogar eine Trophae bekommen haben ) beschlossen wir, nicht lange zu verweilen. Nach der ersten Nacht standen wir morgens um fuenf Uhr auf und fuhren mit Jo und seiner Freundin mit einem Fischerboot flussaufwaerts zum traditionellen schwimmenden Markt Banjarmasins. Dieser Markt ist sehr authentisch, kein Souvenirverkauf fuer Touristen. Bereits die Fahrt auf dem Fluss, zum Sonnenaufgang war herrlich! Kalimantan ist ein Land mit unzaehligen Fluessen, und das Leben der Menschen spielt sich vor allem an dessen Ufern ab. Frueher lebten die Menschen noch vorwiegend auf Hausbooten, heute haben sie ihre festen Haeuser am Fluss. Als wir am Morgen vorbeifuhren, waren die meisten Menschen gerade aufgestanden und verrichteten ihre Morgentoilette im Fluss… Wir fuhren an dutzenden groesseren und kleineren Moscheen vorbei, und aus allen droehnte der Gebetsgesang. Kalimantan ist mit ca. 90%igem Anteil recht muslimisch. Der Rest sind Hindus und Christen. In Indonesien leben vor allem Malays, vor Tausenden von Jahren von China und Indochina eingewandert, und Melanesen, die duenklere Haut und krauseres Haar haben. Dazu kommen dann noch kleinere ethnische Gruppen, wie z. B. auf Papua. Und dann sind da noch die Chinesen, die den kleineren Anteil ausmachen, aber zu den Reicheren gehoeren. In Indonesien werden zig Sprachen und Dialekte gesprochen. Die offizielle Sprache, die fast alle koennen, ist Bahasa Indonesia. Wir sind gerade ein wenig am lernen, da wir mit Englisch an den meisten Orten aufgeschmissen sind…
Zurueck zum schwimmenden Markt. Nach gut eineinhalb Stunden Bootsfahrt hatten wir die Flussstelle erreicht und sahen schon von weitem viele kleine Kanus im Wasser treiben. Ausschliesslich Frauen paddelten auf dem Fluss herum und hatten ihre Kanus mit Orangen, Jambus, Kokosnuessen, Bananen, Gemuesen, Eiern und vielem mehr geladen. Alle schnatterten durcheinander, tauschten oder verkauften ihre Waren. Die Atmosphaere war sehr entspannt, und sie schienen sich ueber ein paar Touristen zur Abwechslung recht zu freuen. Wir kauften Orangen, Jambu, eine sehr leckere Frucht, und genossen den farbigen Anblick. Da das Ganze auf fliessendem Wasser stattfindet, steht der Markt natuerlich nie still und die Frauen muessen nach einer Weile wieder flussaufwaerts paddeln. Wir verbrachten eine Stunde dort und fuhren dann wieder retour nach Banjarmasin, wo wir uns nochmals fuer ein paar Stunden hinlegten.
Am Abend gingen wir mit Jo und seiner Freundin ein paar Bintang ( Indo Bier ) trinken und Pool spielen, was die Indonesier lieben. Ueberhaupt kann man mit ihnen sehr Spass haben, sie haben einen sehr aehnlichen Humor wie wir… Als Auslaender faellt man natuerlich auf und wird ueberall freundlich gegruesst und angesprochen. Auf dem Heimweg regnete es in Stroemen, aber da der Regen hier so warm ist, stoert es ueberhaupt nicht. Eigentlich sollte sich die Regenzeit in Kalimantan langsam dem Ende naehern, aber auch hier verschieben sich die Jahreszeiten, und Regnen tut es in Kalimantan eh das ganze Jahr hindurch immer mal wieder.
Trekking um Loksado
Da es mit unserem Bahasa Indonesia noch nicht sehr weit her ist, beschlossen wir, direkt in Manado einen Guide fuer den Trip nach Loksado, etwa vier Autostunden ins Landesinnere von Banjarmasin entfernt, zu organisieren. Da Jo’s Bruder Guide ist, machten wir die Tour also mit ihm. Obwohl das Trekking an sich okay war, wuerden wir das nicht mehr machen, da das Ganze ueberteuert war, fuer das was wir bekommen haben. Vor allem das Essen in den drei Tagen war klaeglich… Aber egal, wir hatten ansonsten eine gute Zeit und Spass!
Wir fuhren am ersten Tag mit dem Auto von Banjarmasin nach Loksado, einer Ortschaft am Rande des Regenwalds, von wo aus wir loswanderten. Da bereits Mittag war, als wir Loksado erreichten, wanderten wir an diesem Tag nicht mehr all zu weit, und nach den Annapurnas war es eh ein Klacks… ^_^ Dafuer ist das Klima mit 80- 100%iger Luftfeuchtigkeit und der Hitze echt krass. Innert kuerzester Zeit ist man nassgeschwitzt und verklebt. Aber auch daran gewoehnt man sich! Wir wanderten durch nachgeforsteten Wald und von Bauern kultiviertem Land mit Kautschukbaeumen, Reis, Maniok, Papayas, Ananas, Bananenbaeumen, Zimt, Muskat und Nelken und vielem mehr. Der Weg folgte groesstenteils einem Fluss und am spaeteren Nachmittag erreichten wir ein kleines Dayakdorf, wo wir uns fuer die Nacht einrichteten. Die Dayak sind ein alter Stamm in Kalimantan. Sie praktizieren einen animistisch- hinduistischen Glauben, aehnlich dem der Balinesen. Sie lebten frueher in grossen Gemeinschaftshaeusern, den Langhaeusern, aber diese und viele andere Traditionen wie das Taetowieren und Tragen von schweren Goldohrringen bei den Frauen, sind heute fast gaenzlich verschwunden. Der Einfluss von Missionaren und des 20. Jahrhunderts generell fordert seinen Tribut, und man findet solche traditionellen Dayaks nur noch tief im Landesinnern. Trotz dieser Tatsache waren wir ueberrascht, wie einfach diese Menschen noch leben und an ihren spirituellen Riten und Traditionen festhalten. Irgendwie scheint sich auch der Einfluss der westlichen Welt damit zu vertragen.
Das Langhaus findet man im Dorfzentrum immer noch, es wird fuer religioese Zeremonien gebraucht. Wir durften die Nacht im Langhaus verbringen, und im Laufe des Abends schauten alle Dorfbewohner rein und setzten sich zu uns, um uns zu betrachten, ein wenig zu plaudern, oder auch nur um eine der mitgebrachten Zigaretten und Suessigkeiten abzubekommen
Natuerlich mussten unsere Guides Yadi und Awath fuer uns uebersetzen, da hier niemand Englisch spricht. Gemeinsam mit den anderen Dorfbewohnern wuschen wir uns im Fluss, und anschliessend gab es ein einfaches Abendessen mit Reis und gekochtem Gemuese.
Die Nacht auf den geflochtenen Bambusmatten war hart, und die Glieder schmerzten uns fuerchterlich am naechsten Tag. Wir wurden frueh vom Geschrei von Kindern, streitenden Schweinen und dem Gegacker der Huehner geweckt. Nach dem Fruehstueck marschierten wir begleitet von Paul, einem fuenfzehnjaehrigen Jungen und seiner Tante, unserer Gastgeberin im Dorf los. Die Familie fuehrte uns zuerst zu ihrem Reisspeicher, der sich etwa zehn Minuten vom Dorf entfernt befindet. Die Tradition der Dayak verbietet es ihnen, mehr als den noetigen Reis fuer ein paar Tage in ihrem Haus aufzubewahren. Auch ist es ihnen nicht gestattet, Reis zu verkaufen, auch wenn sie viel zu viel davon haben. Reis galt nebst den Kindern schon immer als Altersvorsorge. Die Menschen hier, vor allem die Frauen, arbeiten immer noch extrem hart und altern sehr frueh. Viele Kinder und ein grosser Reisspeicher sind auch heute noch etwas vom Wichtigsten. Bevor die Dayak jeweils Reis aus dem Speicher holen, muessen sie viele Gebete verrichten und Opfergaben fuer ihre Vorfahren darbringen.
Unsere Gastgeberin fuehrte uns anschliessend weiter, bis wir ihren Reishuegel erreichten. Jede Familie hat im Wald einen Huegel gerodet und darauf Reis angepflanzt. Was das bei dem dichten Buschwerk fuer eine anstrengende Arbeit ist, kann man sich nur annaehernd vorstellen. Wir durften dann auch selber die Reisschneidewerkzeuge testen und Reis ernten. Nicht ganz so erfolgreich wie die Dayak, aber naja… Am Reisfeld verabschiedeten wir uns vorerst von unserer Gastgeberin und wanderten durch dichtes Buschwerk in den Dschungel hinein. Unser Ziel war ein wunderschoener Wasserfall, irgendwo flussaufwaerts. Da seit laengerem keine Menschen mehr diese Pfade betreten hatten, und, wie ihr euch vielleicht vorstellen koennt, die Pflanzen im Urwald ziemlich rasch wachsen, mussten unsere Guides den Weg mit den Macheten freischlagen. Wir wanderten stundenlang Huegel rauf und wieder runter, teilweise rutschten wir mehr, als dass wir wirklich liefen. Alle haute es mindestens dreimal auf die Fresse, da alles schlammig und feucht war. Ausser den Michi, der klettert einfach ueberall wie eine Gemse aus dem Nussloch :p Dazu kam dann noch diese unglaubliche Hitze und Feuchtigkeit, Muecken und laestige Blutegel… Auf jeden Fall war es Jungleadventure pur! Obwohl man sagen muss, dass in dieser Gegend kein wirklich urspruenglicher Regenwald mehr vorhanden ist. An vielen Stellen wurde schon einmal abgeholzt, und man sieht dass der Wald wieder am nachwachsen ist. Illegale Abholzung und Abholzung wegen der Kohleminen, die natuerlich auch illegal sind, sind ein grosses Problem in Kalimantan und eine Gefahr fuer die Natur! Durch die Kohleminen werden auch die Fluesse mit Quecksilber verschmutzt. Fluesse, an denen die Menschen leben, sich waschen, fischen… Leider ist Indonesien ein extrem korruptes Land. Die Polizei wird von den Kohleminen- und Abholzcompanys gut bezahlt. Die behaupten dann einfach, die illegalen Minen und Abholzstellen nicht finden zu koennen im Wald, was natuerlich ein Witz ist, da sonst jeder weiss und hoert, wo sie arbeiten.
Nach ein paar Stunden wandern, kamen wir wieder an den Fluss und folgten nun seinem Lauf aufwaerts, wobei wir ihn mehrere Male ueberqueren mussten, um einen einigermassen passablen Weg zu finden. Wir kamen an unglaublich riesigen Bambusbaeumen vorbei, ueberall hingen Schlingpflanzen herunter, farbige Schmetterlinge flatterten umher, und sogar ein kleiner Python schlich sich vor uns davon. Daneben plaetscherte der Fluss ueber die moosigen Steine hinunter, und ueberall bildeten sich wunderschoene Pools. Schliesslich erreichten wir einen tollen Wasserfall, wo wir auch Mittagspause machten. Wir schmissen uns rasch in die Badehosen und kuehlten uns im angenehmen Wasser ab. Dass in dem Pool auch Pythons schwimmen, daran dachten wir einfach nicht und redeten uns ein, dass sie vor uns eh Angst haben… :woot: Wir und Paul hatten einen riesen Spass und sprangen von den Felsen ins Wasser, waehrend unsere Guides uns Nudeln zum Mittagessen kochten.
Nach dem Essen und ein wenig Relaxen in der warmen Sonne, machten wir uns langsam wieder auf den Rueckweg zum Dorf. Diesmal nahmen wir eine etwas andere Route, die nicht mehr so tief durch den Wald fuehrte und etwas kuerzer war. Wir kamen an ein paar kleineren Siedlungen und Reisfeldern vorbei, ehe wir gegen Abend das Dayakdorf erreichten, wo wir auch schon die letzte Nacht verbracht hatten. Nach einem Bad im Fluss und Abendessen, sassen wir gemuetlich mit unserer Gastgeberfamilie ( diese Nacht verbrachten wir nicht mehr im Langhaus ) in ihrer Huette, unterhielten uns so gut wie moeglich und genossen den Abend.
Waehrend der Nacht setzte starker Regenfall ein, der bis zum fruehen Morgen anhielt. Fuer heute war eine Raftingfahrt auf Bambusflossen nach Loksado geplant, wo uns Jo mit dem Auto dann wieder abholen wuerde. Nach etwa einer Stunde Fussmarsch erreichten wir den grossen Fluss und stiegen zum Ufer hinunter, wo uns die “Bootsfuehrer” bereits erwarteten. Der Fluss fuehrte recht viel Wasser, und wir packten unsere Sachen vorsichtshalber gut wasserdicht ein. Die Fahrt auf dem Floss wurde dann auch recht turbulent und rasant, machte aber maechtig Spass. Einmal sahen wir uns schon im Wasser, als das Floss auf einen versteckten Felsen aufkrachte und eine Bambuslatte abbrach. Die Bootsfuehrer hatten es aber unglaublich gut im Griff, und wir ueberlebten!
Wir erreichten Loksado klatschnass und warteten in einem Warung ( Essensstand od. aehnlich ) auf Jo, der dann auch bald schon eintraff und uns nach Banjarmasin zurueckfuhr.
Tanjung Puting National Park, Kumai
Am naechsten Morgen suchten wir in Banjarmasin in aller Fruehe ein Reisebuero auf und buchten fuer denselben Tag einen Flug nach Pangkalan Bun, eine kleine Stadt, etwa dreissig Minuten vom National Park entfernt. Mit dem Bus haetten wir fuer die Strecke etwa zwei Tage gebraucht. Der Flug mit der kleinen Propellermaschine von Kal Star war recht angenehm und bot einen wunderbaren Ausblick auf die unendlichen, gruenen Waelder Kalimantans. Nach etwas mehr als einer Stunde und einer superkurzen Zwischenlandung in Sampit, kamen wir heil in Pangkalan Bun an. Schon am Flughafen des kleinen Staedtchens wurden wir von einem Guide bezueglich Tour in den Park angequatscht. Da er uns sympathisch war, und wir eh vorhatten mit einem Hausboot in den Park zu fahren, vereinbarten wir ein Treffen am Abend bei uns im Hotel. In der Zwischenzeit konnten wir uns in Pangkalan Bun selber ein wenig ueber die Preise erkundigen und umschauen. Nach langem Besprechen und Verhandeln entschieden wir uns am Abend dann aber doch, fuer drei Tage mit Andreas und seiner Crew in den Tanjung Puting Park zu fahren. Andreas hat viele Jahre im Park als Ranger gearbeitet und kennt sich daher auch gut aus.
Wir verbrachten noch einen Tag in Pangkalan Bun, einer sehr angenehmen und sauberen Stadt, und erledigten ein paar Sachen, bevor wir am naechsten Tag nach Kumai fuhren. Das Klotok, so nennt man hier die Hausboote, wartete bereits im Hafen auf uns, und wir wurden mit indonesischen Leckerbissen und Kaffe begruesst. Bisher waren wir vom indonesischen Essen noch nicht so sehr angetan. Die Kueche hier ist manchmal sehr gewoehnungsbeduerftig, vor allem die suess-salzigen Saucen. Aber in den naechsten Tagen sollten wir vom Koch auf unserem Klotok eines Besseren belehrt werden und wurden verwoehnt wie die Koenige!
Das Klotok legte ab, und wir genossen den in Bananenbaumblaettern mit Gemuese oder Bananen gekochten Reis und Kaffe, waehrend wir langsam auf dem Kumaifluss abwaerts tuckerten… Schon nach einer Viertelstunde bogen wir in einen kleineren Seitenfluss ein, dessen Ufer dicht gesaeumt mit Palm- und Mangrovengewaechsen waren.
Wir erkundigten natuerlich auch unser Klotok, das relativ schmal war, etwa 15m lang, mit einem gemuetlichen Sonnendeck, Kueche, Dusche und WC.
Auf der Fahrt zum Park kamen uns immer mal wieder Motorboote mit Einheimischen entgegen, die irgendwo entlang der Fluesse leben und arbeiten. Viele von ihnen auch in den illegalen Kohleminen, etwa zwei Stunden flussaufwaerts, wie uns Andreas erklaerte. Darum ist das Wasser hier auch noch so lehmigbraun verschmutzt. Nach etwa zwei Stunden bogen wir nochmals in einen kleineren Seitenkanal ein, und nun war das Wasser ploetzlich ganz schwarz. Das waere die natuerliche Farbe, hervorgerufen durch den hohen Humusgehalt und Saeure. Auch die Vegetation wurde nun immer wilder und schoener, mit Mangroven, hohen Baeumen, Schling- und Wasserpflanzen und dichtem Gestruepp. Kalimantan mit seinem Klima ist das Paradies fuer Pflanzen. Schmeiss ein paar Samen irgendwo hin, und es wird wachsen!
Gegen Mittag hatten wir Camp Leakey erreicht und legten am kleinen Holzsteg an.
Camp Leakey wurde 1971 von der Kanadierin Dr. Galdikas gegruendet, zur Rehabilitation von Orang Utan Waisen oder anderen geretteten Orang Utans und Forschungszwecken. Dr. Galdikas ist Vorsteherin der Orang Utan Foundation International. Die offizielle Webseite: www.orangutan.org gibt gute und ausfuehrliche Informationen zu den Primaten und den aktuellen Problemen mit den Regenwaeldern Kalimantans. Die Rehabilitation der Orang Utans findet heute in anderen Teilen des Parks statt, aber Camp Leakey ist ein hervorragender Ort, um die Tiere sehr nah beobachten zu koennen. Einige der Orang Utans konnten naemlich nie mehr komplett ausgewildert werden, so dass sie oft um Camp Leakey herumstreunen. Daneben gibt es auch mehrere Fuetterungsstationen, da man leider feststellen musste, dass die Rehabilitanten generell nicht mehr voellig ausgewildert werden koennen und manchmal nicht genuegend Essen finden. Ansonsten bewegen sich die Tiere aber voellig frei im Wald und koennen kommen und gehen wann sie wollen. Orang Utans sind enorm gefaehrdete Tiere. Sie sind die einzigen grossen Affen ausserhalb Afrikas und kommen nur in Borneo und Sumatra vor. Wobei diese beiden Spezien unterschieden werden. Kalimantan haelt zur Zeit weltweit den Rekord in Sachen Abholzungsgeschwindigkeit der Regenwaelder. Gerade hat die lokale Regierung einen Fuenfjahres- Plan bekannt gegeben, demzufolge in den naechsten fuenf Jahren 4 Millionen Hektaren Regenwald fuer Palmoelplantagen abgeholzt werden sollen. Auch der Tanjung Puting Nationalpark soll um 15% verringert werden. Fuer die Orang Utans ist das eine Katastrophe! Sie sind Einzelgaenger und brauchen ihre Reviere und den Lebensraum um Nahrung zu finden und sich fortpflanzen zu koennen. Zugunsten Palmoelplantagen wird momentan am meisten abgeholzt. Palmoel findet sich in unserer Nahrung, Kosmetik und vielen anderen Dingen. Wenn ihr also etwas tun wollt, achtet darauf, Produkte ohne Palmoelinhalte zu kaufen!!! Wir verbrachten nach dem Mittagessen den ganzen Nachmittag in Camp Leakey, um diese faszinierenden Affen zu beobachten. Highlight war natuerlich die Fuetterungszeit etwas ausserhalb des Camps im Wald, wo etwa 15 Tiere zum Fressen kamen. Vorwiegend Jungtiere, Muetter mit ihren Kleinen und juengere Maennchen. Ein paar der Orang Utans sind sehr an Menschen gewoehnt, wie zum Beispiel Princess, die schon fast ein richtiger Star ist. Sie kam auch als Waise nach Camp Leakey und konnte nie mehr richtig rehabilitiert werden. Das ist natuerlich die Schattenseite, aber was das Beobachten und Studieren dieses Orang Utans betrifft, eine einmalige Chance. Princess ist extrem klug und kann sogar richtig mit Werkzeugen umgehen. Sie zeigte richtig Freude am herumwerkeln mit einem der Ranger, wobei sie natuerlich am liebsten seine Machete stibitzt haette ^_^ Sie hat sogar gelernt sich in ein kleines Kanu zu setzen, es loszumachen und ueber den Fluss zu paddeln mit ihren langen Armen! Die anderen Tiere sind generell etwas scheuer und kommen auch nur zu den Fuetterungszeiten nach Camp Leakey. Zum Fressen gibt es vorwiegend Bananen, die sie sich gierig und haufenweise in den Rachen stopfen, wie man auf den Bildern sehen kann.
Am naechsten Morgen wurden wir in aller Fruehe von den ersten Sonnenstrahlen und frisch gebruehtem Kaffeduft geweckt ( Indonesien hat exzellenten Kaffe….) Nach dem Fruehstueck gings noch mal nach Camp Leakey, wo wir fuer etwa drei Stunden einen Spaziergang durch den Regenwald machten. Andreas erklaerte uns alles moegliche zu Baeumen, Pflanzen und Insekten und anderem Getier, wir genossen den schoenen Spaziergang und die Atmosphaere, wenn wir auch vor Hitze und Feuchtigkeit fast draufgingen…
Nach dem Mittagessen ( Michi bekam eine Riesenkrabbe aufgetischt, die er kaum zu essen wusste, aber ihm ausgezeichnet schmeckte ) war dann wieder Orang Utan beobachten und Fuetterungszeit im Camp angesagt, und wir verbrachten viele Stunden um die Tiere beim Fressen, Spielen und Klettern zu beobachten.
Auch die zweite Nacht verbrachten wir wieder auf dem Boot irgendwo im Urwald…
Am dritten Tag verliessen wir die Gegend um Camp Leakey und fuhren zu zwei anderen Fuetterungsstationen, wo aber nur einmal zwei Tiere auftauchten. In dieser Gegend sind die Orang Utans praktisch wieder wild, und da gerade Fruechtesaison ist, finden sie genuegend Essen. Wir hielten uns stattdessen noch ein wenig in den Informationszentren herum, machten einen Spaziergang durch ein kleines Dorf am Flussufer und relaxten auf dem Boot. Dafuer hatten wir auf der Rueckfahrt nach Kumai das grosse Glueck, einige wilde Orang Utans in den Baeumen zu sehen, darunter auch zwei recht grosse Maennchen und viele Nasenaffen ( auch Dutchmonkeys genannt ^_^ ) Neben den Orang Utans gibt es wie gesagt Nasenaffen, Langschwanzmakakken und noch andere kleinere Affenarten. Nasenaffen sind gute Schwimmer, aber man hat selten das Glueck, sie dabei zu erwischen. Als wir so den Fluss runtertuckerten bemerkten wir ploetzlich eine riesige Familie Nasenaffen auf einem weit ueber den Fluss haengenden Baumast. Sie waren gerade im Begriff den Fluss zu ueberqueren. Vorerst etwas durch unsere Anwesenheit gestoert, nahmen sie dann doch Anlauf, und nacheinander sprangen etwa 15 Affen vom Ast und ueberquerten flink schwimmend den Fluss!
Kurz vor Sonnenuntergan erreichten wir Kumai, die kleine Hafenstadt, wo wir uns von der grossartigen und freundlichen Crew verabschiedeten und in einer heruntergekommenen Hafenspelunke ein Zimmer fuer die Nacht nahmen.
Wir hatten fuer den naechsten Tag Tickets fuer das Schiff nach Surabaya, Java, gekauft, von wo aus wir einfacher nach Sulawesi gelangen koennen. Die Ueberfahrt von Kalimantan nach Java dauerte gut 24 Stunden. Das Schiff war recht alt und lausig, aber unsere Kabinen nicht schlecht. Viel mehr gibts zur Schiffsfahrt nicht zu erzaehlen… keine Stuerme und keine Piraten…
Von Surabaya sind wir gestern gleich weitergeflogen nach Manado im Norden Sulawesis, von wo aus wir morgen auf die Bunaken Insel zum Tauchen gehen.
Categories: Asien, Countdown, Indonesien, Kalimantan
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